Podolien/Ukraine

 

Mein Urgroßvater Wilhelm und der Großvater Jakob Buron sind beide in der Ukraine/Podolien (Krasnodolie/ Karsnodolja/Krasnodol/Krasnadola) geboren. Heute heißt dieser Ort  Volfanivka, (Latitude: 48.2 Longitude: 28.4333333) und zählt zu Prydnistryans'ke, Oblast Winnyzja. Er gehörte zum Kirchspiel Nemirow, war eine Eigentümerkolonie mit 150 evangel. Einwohnern (Angaben 1909) im Ujesd Jampol mit einer Kapelle und Kirchenschule. 1858/59 hatte das Dorf 95 evangel. Einwohner, davon 17 Schüler.  Entsprechend den vorhandenen Unterlagen (Odessa Library und Kirchenbücher) waren hiervon einige Mitglieder der Familien Buron gewesen.

1905 zählte das Kirchspiel Nemirow annähernd 2.000 Gemeindemitglieder deutscher Abstammung.

Der deutsche Name war Rosental.

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Die Kirchenbücher lassen zwei Varianten der Vorfahren meines Urgroßvaters Wilhelm zu:

Variante 1: Vater Johann Friedrich Buron, die Mutter Anna Henriette Schmidt ( noch dort geheiratet), dessen Vater der 1802 geborene Friedrich Buron (Odessa Library).

Variante 2:  Friedrich Baro (36)  heiratete 1838 in Inowroclaw Anna Marie Reitz (40)

Hier stimmt nur das gefundene Geburtsdatum überein.

In welchem verwandtschaftlichen Verhältnis Christian Friedrich Buron zum Großvater Wilhelms (Friedrich Buron) stand oder ob es sich sogar um ein und dieselbe Person handelt, konnte ich noch nicht klären. Vermutlich sind sie Brüder und gemeinsam nach Krasnodolia gezogen. Die Kirchenbuchauszüge gaben einmal die gleiche Frau an, ein andermal  zwei verschiedene gleichen Nachnamens (Alexandra und Olga Bolzanowska). Zumindest haben wir über diese Vorfahren sogar polnisches Blut in unseren Adern.

Auch in Antoinettenthal/Kamenka (Kamionka) und Dunajewz lebten Mitglieder der Familie Buron (siehe Ahnenliste).

 

An dieser Stelle ein Wort über die Heiratspolitik und Namensvergabe bei den deutschen Siedlern:

Die Gemeinschaften blieben so gut es ging zusammen. Geheiratet wurde meist nur innerhalb der deutschen Familien vor Ort oder in nahen Siedlungen. Da die Kindersterblichkeit sehr hoch gewesen ist (ca. 50% u.m.), machten sie sich über die Vornamen wenig Gedanken.  Oder es war einfach Tradition, denn beinahe immer wurden einfach die Vornamen der Großeltern weitergegeben.
In unserer Familie sind dies

Friedrich, Friederike, August, Augustine, Christian, Philipp, Philippine, Katharina, Katherine, Marie, Johann,

Johanna, Eva, Jakob (Buron)

Heinrich, Katharina, Johann, Friedrich, Anette, Peter, Lydia oder Lidia (einer bestimmten Linie Schmidt)

Franz, Karoline, Blondine, Maria, Michael (Fleck)

Rosina, Elisabeth (Gross)

Katharina oder Katharine und Maria / Marie waren generell  beliebte Frauennamen.

Die Kirchenbücher des Kirchspiels Nemirow (auch: Niemirow) zwischen 1830 und 1865 weisen als häufigste Namen in Krasnodole (diese Schreibweise) folgende auf:

Buron (auch als Buro, Burro und Burow, bei gleichen Personen)

Schmidt (Heinrich, Friedrich, Jacob, Katharine, Peter, Anette u.a.)

Bredi (Christian, Karl, Gottfried)

Zeiler (Barbara, Philippine)

Gerner (Philippine,Adam, Caroline, Wilhelmine, Andreas)

Gross (Katarine, Johann)

Reuther (Lehrer)

Nussberger

Steigmann

Weil

Geheiratet wurde untereinander, und zwar in Krasnodolia beständig die Familien

Buron

Schmidt

Gerner

Bredi

Gross

Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass beinahe alle deutschstämmigen Nordbessarabier irgendwie miteinander verwandt gesesen sind.

Eine Statistik als Kirchenbuchauszug 1842 Kirchspiel Niemirow (Nemirow), zu dem Krasnodolia gehörte.

Auf www.wolhynien.de über das Kirchspiel Nemirow, Gouvernement Podolien:
Dieser Sprengel begreift das ganze Gouvernement Podolien, mit Ausnahme der Ev.Luth.
Gemeinden zu Dunajewtzy und Kamenetz-Podolsk. Das Gouvernement Podolien mit 771 Quadratmeilen und 1.747.570 Bewohnern (auf 1 Quadratmeile = 2.267 Bewohner) zählt unter diesen: 8.000 Russen, 1.290.000 Klein-Russen, 5.000 Weiß-Russen, 205.000 Polen, 42.000 Rumänen und Walachen, 1.500 Deutsche, 400 Armenier, 200 Griechen, 470 Zigeuner und 195.000 Juden. Außer den Gliedern der Orthodox-Griechischen Und der Evangelisch-Lutherischen Kirche und den oben angeführten Juden finden sich hier noch 206.948 Römische Katholiken, 3.967 Armenische Katholiken und 32 Muhamedaner.
In den Evangelisch-Lutherischen Gemeinden wurden im Jahre 1859 getraut: 11 Paare. Geboren
wurden 35 Knaben und 35 Mädchen = 70 Kinder. Es starben 17 Personen männlichen Geschlechts
und 16 Personen weiblichen Geschlechts = 33 Personen.
1. Flecken Nemirow .. Kirche von Stein, erbaut 1837, Pastorat.
Schule: 8 Knaben, 10 Mädchen = 18 Kinder. Der Lehrer erhält 18 Rbl. jährlich und von jedem
Kinde 2½ bis 5 Cop. wöchentlich, als Küster 52 Rbl. 50 Cop. jährlich, freie Wohnung und
Heizung.
Die Schule besitzt ein Kapital von 5.787 Rbl. 50 Cop.
Die Gemeinde besteht größtentheils aus armen Tuchmachern.
2. Flecken Tultschin .. Das Bethaus ist gemiethet.
3. Flecken Kamenka / Antoinettenthal .. Kirche und Schulhaus von Stein.
Schule: 35 Knaben, 21 Mädchen = 56 Kinder. Der Lehrer erhält 200 Rbl. Gage.
4. Colonie Krasnodola .. Schule: 7 Knaben, 10 Mädchen = 17 Kinder, eigenes Local. Der Lehrer
erhält 35 Rbl. Gage jährlich, freie Wohnung, Heizung und Accidenzien.
Besoldung des Predigers:
Krons-Gage 400 Rbl. – Von der Kirche 135 Rbl. – Ertrag von 37 Dessätin Pfarrland 100 Rbl. –
Wie hoch sich die Accidenzien belaufen ist nicht bekannt. Freie Wohnung und Heizung.
Kirchen-Vermögen:
Pastorat 2.500 Rbl. -- Cop.
Inventar 200 Rbl. -- Cop.
Kapital 5.800 Rbl. - - Cop.
8.500 Rbl. -- Cop.
Der Pastor wird nach §160 des Kirchen-Gesetzes vom Consistorium gewählt und vom Minister
des Innern bestätigt
.

(Quelle: BUSCH "Materialien zur Geschichte und Statistik des Kirchen- und Schulwesens der
Evangelisch-Lutherischen Gemeinden in Rußland", St.Petersburg 1862, S. 123-133)

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden 1915 unter Umgehung des Parlaments die so genannten Liquidationsgesetze erlassen. Auf Grund dieser Gesetze sollten der deutsche Grundbesitz in einem Grenzstreifen von 150 Kilometern Tiefe liquidiert und die Bauern ausgesiedelt werden. Dies hatte in den Jahren 1915/16 den wirtschaftlichen Ruin und die Vertreibung von rund 200.000 Kolonisten allein aus Wolhynien zur Folge. Die deutsche Bevölkerung auch aus Dörfern Nordbessarabiens sowie aus Podolien wurde an die Wolga und nach Sibbirien ausgesiedelt. Das entsprach dem Zeitgeist und der Stimmung im Land. Die Deutschen Russlands wurden als "innerer Feind" gesehen und bekämpft. Am 6.2. 1917 wurden die Liquidationsgesetze auf das gesamte Reich ausgedehnt.

Judenprogrome und gewalttätige Übergriffe auf jüdische und deutsche Siedler waren ebenfalls an der Tagesordnung.

Aus diesem Grund musste die Familie ihre Anwesen und den gesamten Besitz verlassen und wurde hinter den Ural verbannt. Wo genau sie gelebt hatten ist mir nicht bekannt. Sie kehrten jedoch zurück und siedelten sich gleich (etwa 1922) in Neu-Strymba an, denn Bessarabien war zu jener Zeit rumänisch. Obendrein lebte die Familie meiner Urgroßmutter Lidia Schmidt in Neu-Strymba.

Die Bilder zeigen ein deutsches Gehöft  und eine Siedlung in Podolien.

 

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