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Die Karte der Auswanderungs- und Umsiedlungswege meiner Vorfahren gibt es unter diesem Link.
  Jüdische Verweise
Buron ist in den Listen der Holocaust-Opfer, Fleck unter den jüdischen Namen Galiziens zu finden...

Neu-Strymba

Es gab fünf deutsche grössere Siedlungen im Norden Bessarabiens: Glückstal, Ryschkanowka, Lipkani, Scholtoi und Neu-Strymba. Heute heißt der Ort Grinautzi.

Neu-Strymba wurde 1860 gegründet und hatte 479 Einwohner.  Andere Quellen sprechen vom Gründungsjahr 1865.

Google map Neu Strymba     

 

 

 

 

Die Kirche von Neu-Strymba

 

                                                                                        

Baumloses flachhügeliges Land mit fruchtbarer, dunkler Erde - das war Bessarabien.  Hitze im Sommer, Kälte und viel Schnee im Winter, Stürme und Hagel bei den meist schweren Gewittern. Melonen (Arbusen), Mais, Tabak, Getreide, Kartoffeln, Aprikosen, Auberginen u.m. - alles gedieh gut auf dieser Erde. So spannten Urgroßvater Wilhelm und sein Enkel oft den Wagen an, beladen mit den Früchten, und fuhren gemeinsam durch die Dörfer, um sie zu verkaufen.  Meinem Vater oblag die Aufgabe, in Rumänisch, Russisch und Deutsch  die Waren auszurufen. Er kann die Sprachen bis heute.

Die Familien waren kinderreich, so sie denn die ersten Jahre überlebten. In keiner Familie fehlten die toten Kleinen, die Säuglingssterblichkeit war enorm hoch.  Keine Seltenheit, dass manchmal von den zehn zur Welt gebrachten Kindern nur die Hälfte überlebte. Nottaufen waren daher die Regel.

Die medizinische Versorgung war mehr als schlecht und alle mussten hart arbeiten.

Doch 'deutsch' waren sie alle. Ich wundere mich nicht mehr, weshalb Großeltern und Vater regelrecht verbissen antworteten, wenn man ihnen 'Vermischung unterstellen' (oder nachweisen) möchte. Dabei war es gut, dass manchmal ganz 'fremdes' Blut in die Adern kam, heirateten sie doch eigentlich alle in Verwandtschaft oder einem engen Kreis von wenigen Familien.

Der 'Russe' war schmuddelig, der Jude betrog... nur der Deutsche war fleissig. Klischees, no wonder. ... man war ja deutsch.

 

 Vor der Kirche von Neu-Strymba

 

 

 

 

"Im Jahre 1815 wurde von den aus Deutschland und Österreich kommenden Kolonisten eine Gruppe in Kishinew aufgehalten, und von einem Edelmann, Krupensky, überredet , sich auf einem seiner Güter im Chotiner Kreise anzusiedeln, woselbst sie aber nur 2 Jahre blieben. Im Jahre 1817 übersiedelten diese Kolonisten auf ein Gut desselben Edelmannes im Sorokaer Kreise und gründeten dort die Kolonie Naslawtscha. Hier hatten sie mit dem Gutsherren einen sogenannten ewigen Kontrakt abgeschlossen und dachten hier für immer zu verbleiben. Es kam aber anders."

Weiter wird folgendes detailliert berichtet: Ein Jude machte ihnen die Rechte streitig und der Vertrag wurde für ungültig erklärt. Anfang der fünfziger Jahre gründete der größte Teil von ihnen in der Nähe von Neu-Sarata eine neue Kolonie. Aber auch dort wurden vom Gutsherren so hohe Forderungen gestellt, dass sie wiederum nicht bleiben konnten.

"Sie fanden dann endlich wieder einen Platz auf den Gütern des Edelmanns Sturdsa, 18 Werst nördlich von der Kreisstadt Bielzy im Neutale,  wo sie als Fronbauern angesiedelt wurden. Hier gründeten sie im Jahre 1865 das Dorf Neu-Strymba. In der Folgezeit bekamen sie hier auch auf jede Familie 9 Dessj. Anteilland. Es waren damals 37 Familien.... Noch vor dem Kriege (Anm.: 1. WK) wanderten 20 Familien auf einmal nach Amerika aus, und da die Deutschen zu schwach waren,. die Landanteile und Häuser der Asuwanderer zu kaufen, kauften Russen und Armenier dieselben, auch ein Jude erwarb eins von diesen Häusern, und hält nun dort eine Wein- und Schnapsschänke.

Die deutsche Gemeinde, bestehend aus 81 Familien , besitzt heute nur noch 250 Dessj. Anteilland , also im Durchschnitt etwas über 3 Dessj. pro Familie. Außer diesem hat sie noch 500 Dessj. in Pacht. Der Viehbestand der Gemeinde ist auch recht klein. 100 Pferde, 150 Stck. Rindvieh und 40 Schafe. .......

Kommt man in das Dorf, so fallen einem sogleich die geraden Straßen und Querstraßen auf; man ahnt, dass man in einem deutschen Dorfe ist, aber die größtenteils mit Stroh und Rohr gedeckten Häuschen machen auf einen Südbessarabier doch einen recht niederdrückenden Eindruck....."

(Auszüge aus: deutsche Zeitung Bessarabiens, Tarutino, Samstag 7. Mai 1921, Nr. 36)

Weiter heißt es im vorgenannten Artikel, dass eine leichte Besserung für die Familien durch zu erwartende Aufstockung des Anteillandes zu erwarten war.

Das "16 Werst" entfernt liegende Gut und Dorf Ryschkanowka war wohlhabender. Dort gab es ein Schloss und die Häuser hatten massive Dächer, meist Holz.

 

Der deutsche Friedhof heute.

Heute stehen einige der alten Häuser nicht mehr, wurde von Besuchern Neu Strymbas berichtet. Auch der deutsche Friedhof ist nicht mehr existent. Dafür setzten die Einwohner diese beiden Grabsteine als Andenken für die verstorbenen ehemaligen Bessarabiendeutschen.

 

 

Mehr über das Leben, den Ort u.ä. in den 'Stories'.

 

 

 

Historisches

Zarin Katharina II. die Große ließ im Jahre 1763 in Deutschland Siedler anwerben. Die planmäßige Ansiedlung von Deutschen wurde unter den Zaren Paul I. (1796-1801) und Alexander I. (1801 -1825) fortgesetzt. Die ersten Kolonisten...
…und jedesmal, wenn Ihr an dem Feld vorbeikommt, in dem Ihr Eure Vorfahren beigesetzt habt, schaut richtig hin, und Ihr werdet Euch und Eure Kinder Hand in Hand tanzen sehen. (Khalil Gibran)
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