Die wichtigsten Personen der Familie Buron

Großmutter Katharina

 

Katharina Buron, geb. Fleck, ist 1906 nach ihren Aussagen und einigen Dokumenten, die aber wiederum nur auf ihren Angaben basieren, in Neu-Strymba geboren worden. Ihr Vater, Stefan Fleck, wurde in Lipkani geboren, so wie dessen Bruder Mihael (Michael) Fleck. Lipkani liegt an der nördlichen Grenze Bessarabiens. Ein Kind von Michael kam 1917 in Sibirien zur Welt. Stefans und Michaels Vater hieß Franz, geboren in Samburg (Sambor), Galizien. Davor verlieren sich alle Spuren und selbst mit Hilfe eines wirklichen Fachmanns in Sachen Ahnen und Bessarabien, war bisher nichts über die "Vergangenheit" herauszufinden.  Wie ein dunkler Mantel liegt sie über der Herkunft der Familie meiner Oma. Einige mini-Fußtapfen führen nach Niederösterreich.

Die Eltern meiner Oma, Stefan und Blandina (geb. Schmidt), lebten zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit 1900 in Neu Kodias (Neu Gudiasi). Es gab noch eine ältere Schwester mit dem Namen Luise. Diese wurde 1904 in Neu Gudiasi geboren, starb aber schon mit 14 Jahren in Scholtoi an der Spanischen Grippe. Es ist somit sehr wahrscheinlich, dass meine Großmutter und deren ebenfalls ältere Schwester Marie in Neu Gudiasi das Licht der Welt erblickten.

Über die jüngere Halbschwester Karoline berichte ich im Folgenden ebenfalls.

Meine Oma war eine gutmütige Frau... und schlichweg zu bedauern. "Ihr Vater Stefan starb, ein Hausierer erstach später auch noch ihre Mutter Blandina." Das war die Version, die sie mir erzählten. Ich konnte viel später herausfinden, dass der Mörder ein geistig gestörtes Familienmitglied gewesen ist. Zudem hatte ihr Vater nach dem Unglück ein zweites Mal geheiratet (Katarine Heichert) und ist somit als Zweiter der beiden Elternteile verstorben (1923).

Es ändert jedoch nichts daran, das meine Oma mit sieben Jahren zur Vollwaise wurde, in der Familie ihres Onkels Michael erzogen und so schnell es ging verheiratet worden war. Und das mit gerade mal sechzehn Jahren. Zusätzlich zwang man sie, den (gleichaltrigen) Jakob Buron zu heiraten, der eigentlich eine andere liebte. Nicht "sein Pech", es wurde zu ihrem. Oma besaß immerhin durch das Erbe Landbesitz.

Mein Großvater "versprach" ihr, dass sie (weshalb sie?)  genau das ihr Leben lang büßen würde. Sie hat es leider auch müssen. Sie wurde von ihm furchtbar geprügelt (sogar mit einem Flacheisen), betrogen, eingesperrt... von diesem Tyrannen schrecklich behandelt. Wie schlimm ihr Leben an seiner Seite war zeigt, dass sie auf dem Totenbett im Krankenhaus seine Besuche untersagen ließ. Dem Sarg folgen sollte außer meines Vaters Familie, also wir, ebenfalls keiner. Vor allem Großvater nicht. Er tat es trotzdem, heulte wie ein Schlosshund... Ich erinnere mich noch an den einen Satz meiner Oma während meines letzten Besuchs im Krankenhaus: "Wenigstens im Tod will ich vor ihm meine Ruhe haben." Er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich war darüber entsetzt, denn was musste ihr Mann ihr alles angetan haben, bis diese gutmütige und duldsame Frau so etwas äußerte? Aber weshalb wollte sie ihre beiden Töchter ebenfalls nicht sehen? Meinen Vater hatte Oma geliebt.   Ich selbst hatte ihr gelegentlich "Genugtuung" verschafft, denn "Opas Allüren" machte ich nicht mit. Schon mit Vierzehn nicht. Von mir bekam er manches sehr direkt gesagt. Komischerweise beachtete er das sogar. Meine Oma saß dann auf ihrer Holzkiste neben dem Ofen... und grinste.

Manchmal höre ich sie noch von der Haustür aus ihren Mann zum Essen rufen, in diesem eigenartigen Dialekt. "Jakub, Jakub, kimmscht ariber, kimm anne esse"..

 


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