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Die Karte der Auswanderungs- und Umsiedlungswege meiner Vorfahren gibt es unter diesem Link,
  Jüdische Verweise
Buron ist in den Listen der Holocaust-Opfer, Fleck unter den jüdischen Namen Galiziens zu finden...

Familie Taubert

 

Dank vorhandener "Sippschaftstafeln", die im Dritten Reich Pflicht gewesen sind, ist die Forschung nach diesen Ahnen leicht. Sie lebten seit Jahrhunderten im Landkreis Gotha. Aspach und Metebach, zwei kleine Dörfer am Rande des Thüringer Waldes zum Thüringer Becken gelegen, ist die Heimat meiner Vorfahren der mütterlichen Linie.

 

Abseits, verschlafen und ländlich - so habe ich diese Dörfer in Erinnerung, denn hier wurde ich geboren und verbrachte auch nach dem Umzug nach Tabarz die schönsten Kindheitszeiten bei den geliebten Großeltern. Noch heute fahre ich gerne auf den kleinen Hügel zwischen Aspach und Metebach, genieße den herrlichen Blick zu den Bergen des Thüringer Waldes (und vor allem zum Inselsberg) und erinnere mich...

 

Meine Mutter

Sie ist eine sehr ruhige und warmherzige Frau, aber auch sehr stark. Über ihre Wünsche und Träume hat sie nie erzählt. Sie gehört eben zu der Generation, die den Krieg erlebte und dadurch kaum welche haben konnten. Sie war immer für die Familie da, hat schwer gearbeitet und nie wirklich gelebt. Als ihr Bruder Hartwig mit 12 Jahren starb war sie die älteste von später drei Kindern. Sie hat sie betreut, wenn die Großeltern auf dem Feld waren, war gut in der Schule, die auf dem Dorf zu der Zeit nur eine Klasse hatte, machte ihr Pflichtjahr beim Großbauern des Dorfes und fuhr später zum Arbeiten Tag für Tag mit dem Rad nach Gotha und wieder heim. Sie erzählte von den vielen Fliegerangriffen und wie sie sich dann in die Gräben warfen, dass sie sich vor den Russen in der Scheune versteckten und um den Krahnberg einen großen Bogen machten, weil diese dort stationiert waren. Das im übrigen bis zur Wende. Der Krahnberg blieb von da an "Russengebiet" und für alle tabu. Vor meinem Vater war sie mit einem Kurt verlobt gewesen, der allerdings gefallen ist. Ein Bild von ihm besitzt sie nicht mehr. Mein Vater hat ihn überall herausgeschnitten...

So "brav" lebte sie dann auch weiterhin, arbeite in der Landwirtschaft, versorgte Familie, Haus und Garten und pflegte ihre beiden Eltern bis zu deren Tod. Ich kenne sie nur arbeitend... und schweigend, aber stark. Sie setzte stets ihren Willen durch, halt auf ihre Art. Sie war immer der Kern und die Seele der Familie.

 

Mein Opa Edwin

Zwei Bilder, denn er war mein Bester. Er spielte mit mir und erzählte Geschichten. Er ging mit mir spazieren, wozu meine Eltern niemals Zeit fanden. Er baute mir ein Fahrrad aus seinem alten, damit ich die Dorfstrasse unsicher machen konnte.

Er unterhielt sich über Bücher mit mir, die Natur, den ersten Weltkrieg, das Dorf, hörte mir beim Klavierspielen zu... Er war der Mittelpunkt meiner Kinderzeit.

Opa war ein ganz ruhiger. Am liebsten saß er abends auf dem Sofa in der Stube und schaute still allen zu. Immer hatte er ein Lächeln auf dem Gesicht. Wenn wir Kinder mal zu laut wurden, schob er die Brille auf die Nasenspitze und deutete nur mit der Hand nach draußen. Wir wussten dann schon, dass es nun ernst war und wir uns verdrücken mussten. Er konnte auch anders, aber so habe ich ihn zumindest nie erlebt. Ich war sein Liebling... Er milderte die Strenge, die von der Oma ausging, ausgehen musste, aber dazu mehr bei ihrer Person. Ich habe ihn nie klagen gehört, so wie die Oma nicht und auch nicht meine Mutter. Im Haus Nr. 12 in Metebach herrschte immer Frieden.

In Erinnerung blieb mir auch meine Suche nach einem Admiralsfernrohr sowie einem Revolver, von dem mir mein Großvater erzählte, dass er beides zum Kriegsende in der Scheune versteckt habe. Leider nicht gefunden, zu gut versteckt gewesen.

 

                                                                        Opa und Hartwig

 

Ganz toll fand ich auch seine Überbleibsel aus dem I. WK, seine Gasmasken zum Beispiel, gar manch andere Sachen. Oder die tolle Schmetterlingssammlung auf dem Boden.

Und Opa konnte immer so herrlich geheimsnisvoll tun....

Zu seiner Trauerfeier in Gotha kamen mehrere Busse voll Trauergäste. In der Kirche fanden sie nicht mal alle Platz.  Er war wegen seiner warmherzigen und freundlichen Art sehr beliebt gewesen. Damals zählte so etwas eben noch viel.

                                                                                                

                                                                                                                                                    

                                                                                                                             

Meine Oma Else

Meine Oma war eine taffe Frau mit Biss. :)) Wenn sie nicht gewesen wäre, hätte auch mein Opa oft ganz schön dumm aus der Wäsche geschaut. So erzählte es mir meine Mutter. Sie hat ihn regelrecht "beschützt", wenn ihm wegen seiner gutmütigen Art mal wieder einer Unrecht tat. Das führte so weit, dass sie der Großbauer des Ortes einmal als 'Feldwebel' bezeichnete... und er dafür eine schallende Ohrfeige erhielt.

In der Kindheit hielt ich mich freilich lieber an den Opa, denn der ließ mehr durchgehen als sie. Heute weiß ich, dass sie einfach nur für Ordnung sorgte, denn meist befanden sich drei oder gar alle fünf Enkel als Feriengast gleichzeitig im Haus. Da war schon beim abendlichen Reinigungszeremoniell oder gar wöchentlichen Baden ein Organisationstalent gefragt. Ein Badezimmer gab es nicht im Bauernhaus, und selbst die Toilette war über den Hof als "Trockenklo". Gut dass es meist auf den Sommer beschränkt blieb, und da wurde Regenwasser aufgefangen, der Holzzuber im Hof aufgestellt, heißes Wasser aus der Küche geholt (dazu musste IMMER in der Küche geheizt werden) nachgegossen... und dann ging es dem "Grad der Verdreckung" nach ans Werk.

Freilich hatten wir Kinder auch unsere zugewiesenen festen Aufgaben. Ich war am Morgen mit dem Milchholen aus der kleinen Verkaufsstelle im Dorf betraut. Zu DDR-Zeiten mussten alle Bauern die Milch abliefern... um sie dann wieder zu kaufen.

Es war ein großer Hof, umschlossen, quadratisch angelegt, mit großer Scheune, Stallung, Gewölbekeller und Waschhaus, dahinter große Gärten. Ein himmlischer Ort für Kinder. Meine Oma starb in Tabarz einige Jahre nach ihrem Mann, denn alleine konnte sie nach dessen Tod in Metebach nicht mehr bleiben.

 

Uroma Minna

Die nächste starke Frau, aber eben in einer noch ganz anderen Epoche. Ihr Haus in Metebach lag neben dem meiner Großeltern. Sie war diejenige, die mich als Baby betreute, wenn meine Eltern auf den Feldern arbeiteten, und die, die bis zu ihrem Tod meine beiden Puppen reparierte.

Sie hatte ein uneheliches Kind. Sie war 19 Jahre als Willi geboren wurde. Zwei Jahre später heiratete sie August Daniel, meinen Urgroßvater, der von ihr verlangte, dass Willi bei den Großeltern aufwachsen sollte. Diese wohnten nur wenige Häuser entfernt, so dass Uroma Minna und ihr Sohn den Kontakt aufrecht halten konnten. Ich kann mir vorstellen, wie sich der kleine Kerl damals gefühlt haben muss.

Lange nach ihrem Tod klärte sich durch Zufall auf, wer der Vater von Willi gewesen ist: der damalige Bürgermeister von Hörselgau. Sie hatte es der Familie nie verraten.

Ich kann mich noch gut an ihre 'Blaue Stunde' erinnern. Dann saß sie in der Dämmerung ganz still auf einem alten Sofa, bis es gänzlich dunkel geworden war. Diese Besinnungsstunde respektierten wir alle, auch bei ihren Besuchen bei uns in Tabarz (noch in der alten Wohnung). Kurz vor ihrem Tod sortierte sie alle ihre Fotos nach Familien... Als sie starb war ich sieben.

Meinen Urgroßvater August Daniel habe ich nicht gekannt. Er starb mit etwa Fünfzig und soll kein "Netter" gewesen sein. Ich glaub's, denn wäre er das doch gewesen, hätte er auch Willi in die Familie aufgenommen.

 

Hartwig, der verstorbene Bruder meiner Mutter

Hartwig war der Kluge, der Stolz von allen. Die HJ hat ihn auf dem Gewissen, denn bei deren "Kriegsspielen" im April holte sich Hartwig eine doppelseitige Lungenentzündung.

Er starb mit 12 1/2 Jahren.  Hartwig wurde an einem 6. April beerdigt, und an dem Tag sei es so heiß gewesen, dass einige der Trauergäste einen Kollaps bekommen hätten. Meine Mutter kann sich auch noch genau daran erinnern, dass die Menschen die gesamte Gasse zum Friedhof und Kirchhof gefüllt hätten, so viele seien es gewesen.

Meine Großeltern, die Mutter und die Uroma seien über seinen Tod kaum hinweggekommen (kommt man das bei einem Kind jemals überhaupt?).

Der Hausarzt habe dann meiner Oma ans Herz gelegt sich noch ein weiteres Kind anzuschaffen, sonst bliebe sie krank. Und so kam mein Onkel Horst zur Welt. Ich selber habe meine Großeltern nie über Hartwig erzählen hören.

 

Da die beiden anderen Brüder meine Mutter noch leben, möchte ich an dieser Stelle ohne ihre Zustimmung über sie nicht berichten.

 

 

 

 

 

 

Historisches

Zarin Katharina II. die Große ließ im Jahre 1763 in Deutschland Siedler anwerben. Die planmäßige Ansiedlung von Deutschen wurde unter den Zaren Paul I. (1796-1801) und Alexander I. (1801 -1825) fortgesetzt. Die ersten Kolonisten...
…und jedesmal, wenn Ihr an dem Feld vorbeikommt, in dem Ihr Eure Vorfahren beigesetzt habt, schaut richtig hin, und Ihr werdet Euch und Eure Kinder Hand in Hand tanzen sehen. (Khalil Gibran)
www.fotobild-thueringen.de ::: Hildruth Sommer::: Böttchergasse 6::: D-99891 Tabarz